Kurz gesagt
- IPv4 hat 32 Bit, geschrieben als vier Zahlen von 0 bis 255: 192.168.1.20. Das reicht für rund 4,3 Milliarden Adressen.
- IPv6 hat 128 Bit, geschrieben als acht Gruppen aus Hex-Ziffern: 2001:db8::1. Das sind rund 3,4 × 1038 Adressen.
- Weil IPv4 knapp ist, teilen sich viele Geräte per NAT eine öffentliche Adresse. Mit IPv6 ist das nicht mehr nötig.
- IPv6 kürzen: führende Nullen weglassen und die längste Folge von Null-Gruppen einmal durch :: ersetzen.
01Was ist eine IP-Adresse?
Damit ein Datenpaket ankommt, braucht jedes Gerät im Netz eine Adresse: die IP-Adresse (Internet Protocol). Sie gehört zur Vermittlungsschicht, also OSI-Schicht 3. Router lesen sie und schicken das Paket Schritt für Schritt Richtung Ziel.
Heute laufen zwei Versionen nebeneinander: IPv4 aus dem Jahr 1981 und der Nachfolger IPv6. Beide machen dasselbe – nur mit sehr unterschiedlich langen Adressen.
IPv4: vier Zahlen mit Punkten. IPv6: acht Hex-Gruppen mit Doppelpunkten.
Zum Beispiel 192.168.1.20 und 2001:db8::1.
Jedes Kästchen ist ein Bit. Fahr über eine Gruppe, um zu sehen, welche Bits sie belegt.
02IPv4: vier Zahlen, 32 Bit
Eine IPv4-Adresse besteht aus 32 Bit. Damit Menschen sie lesen können, teilt man sie in vier Blöcke zu 8 Bit (Oktette) und schreibt jeden Block als Dezimalzahl von 0 bis 255. Dazwischen stehen Punkte.
Ein Teil der Adresse bezeichnet das Netz, der Rest das Gerät in diesem Netz. Wie viele Bit zum Netz gehören, sagt das Präfix – oder die Subnetzmaske, die dasselbe anders schreibt:
/24 heisst: 24 Bit Netz, Maske 255.255.255.0. Für Geräte bleiben 8 Bit, also 256 Adressen – davon sind 254 nutzbar, weil die erste das Netz selbst und die letzte der Broadcast ist.
Einige Bereiche haben eine feste Bedeutung:
| Bereich | Bedeutung | Wo du ihn siehst |
|---|---|---|
| 10.0.0.0/8 | privat | grosse Firmennetze |
| 172.16.0.0/12 | privat (172.16.x.x bis 172.31.x.x) | Firmennetze, Docker |
| 192.168.0.0/16 | privat | fast jedes Heimnetz |
| 127.0.0.1 | Loopback – das eigene Gerät | Tests mit «localhost» |
| 169.254.0.0/16 | Link-Local (APIPA) | wenn kein DHCP-Server antwortet |
| 255.255.255.255 | Broadcast an alle im Netz | z. B. bei der DHCP-Anfrage |
03Warum IPv4 knapp ist
232 ergibt 4 294 967 296 Adressen. Das klang 1981 nach unendlich viel. Heute gibt es aber über 8 Milliarden Menschen – und jeder hat Handy, Laptop, Fernseher und Uhr am Netz.
Die zentrale Vergabestelle IANA hat ihre letzten freien IPv4-Blöcke 2011 verteilt. Das RIPE NCC, das die Adressen für Europa und damit auch für die Schweiz vergibt, hatte 2019 keine freien Blöcke mehr. Neue Adressen gibt es nur noch aus Rückgaben – über eine Warteliste.
Die Notlösung heisst NAT (Network Address Translation): Alle Geräte zu Hause bekommen eine private Adresse. Der Router tauscht sie beim Weg ins Internet gegen die eine öffentliche Adresse aus, die er vom Provider hat.
NAT funktioniert, hat aber einen Preis: Geräte hinter NAT sind von aussen nicht direkt erreichbar. Für einen Game-Server oder eine Kamera braucht es eine Port-Weiterleitung. Viele Provider setzen sogar noch ein zweites NAT davor (Carrier-Grade-NAT). Die eigentliche Lösung ist ein grösserer Adressraum: IPv6.
04IPv6: acht Gruppen, 128 Bit
Eine IPv6-Adresse hat 128 Bit – viermal so viele wie IPv4. Man teilt sie in acht Gruppen zu 16 Bit. Jede Gruppe schreibt man als vier Hex-Ziffern (0–9 und a–f), getrennt durch Doppelpunkte:
2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334
2128 sind rund 340 Sextillionen Adressen, eine Zahl mit 39 Stellen. Knappheit ist damit kein Thema mehr: Jedes Heimnetz bekommt vom Provider nicht eine Adresse, sondern einen ganzen Block.
Meist sind die ersten 64 Bit das Netz (Präfix) und die letzten 64 Bit das Gerät (Interface-ID):
Praktisch: Viele Geräte bilden ihre IPv6-Adresse selbst. Der Router verkündet das Präfix, das Gerät hängt seine Interface-ID an (SLAAC). Einen DHCP-Server braucht es dafür nicht zwingend. Auch bei IPv6 haben bestimmte Bereiche eine feste Bedeutung:
| Bereich | Bedeutung | Gegenstück bei IPv4 |
|---|---|---|
| ::1 | Loopback – das eigene Gerät | 127.0.0.1 |
| fe80::/10 | Link-Local – jedes IPv6-Gerät hat automatisch eine, gilt nur im lokalen Netz | 169.254.x.x |
| fc00::/7 | Unique Local, in der Praxis fd… | private Bereiche wie 192.168.x.x |
| 2000::/3 | Global Unicast – öffentlich im Internet | öffentliche Adressen |
| ff00::/8 | Multicast – an eine Gruppe von Geräten | Broadcast gibt es bei IPv6 nicht mehr |
| 2001:db8::/32 | nur für Beispiele und Dokumentation | z. B. 192.0.2.0/24 |
05IPv6-Adressen kürzen
Die volle Schreibweise ist lang. Deshalb darfst du eine IPv6-Adresse kürzen – nach genau zwei Regeln:
Führende Nullen in jeder Gruppe weglassen: 0db8 wird zu db8, 0000 zu 0. Nullen am Ende einer Gruppe bleiben: ff00 bleibt ff00.
Die längste Folge von Null-Gruppen durch :: ersetzen – aber nur einmal pro Adresse. Sonst wüsste niemand, wie viele Nullen an welcher Stelle fehlen.
Spiel die Regeln an einer Adresse durch.
Die Empfehlung RFC 5952 sagt ausserdem: Kleinbuchstaben verwenden und eine einzelne Null-Gruppe nicht mit :: kürzen. Sind zwei Folgen gleich lang, wird die linke gekürzt.
06IPv4 und IPv6 im Vergleich
| IPv4 | IPv6 | |
|---|---|---|
| Länge | 32 Bit | 128 Bit |
| Schreibweise | 4 Dezimalzahlen mit Punkten | 8 Hex-Gruppen mit Doppelpunkten |
| Anzahl | rund 4,3 Milliarden | rund 3,4 × 1038 |
| Adressvergabe | DHCP oder von Hand | SLAAC, DHCPv6 oder von Hand |
| NAT | üblich | normalerweise nicht nötig |
| An alle senden | Broadcast | Multicast (kein Broadcast) |
| Loopback | 127.0.0.1 | ::1 |
| Kopfzeile (Header) | 20–60 Byte, variabel | 40 Byte, fest |
| DNS-Eintrag | A-Record | AAAA-Record |
| In einer URL | http://192.0.2.1/ | http://[2001:db8::1]/ |
Im Alltag merkst du vom Wechsel wenig. Die meisten Netze laufen im Dual Stack: Geräte haben eine IPv4- und eine IPv6-Adresse. Dein Browser probiert beide aus und nimmt die schnellere Verbindung («Happy Eyeballs»).
07Adress-Trainer
10 Runden: Erkenne die Adresse – und wähle bei IPv6 die richtige Kurzform.
08Typische Fehler
IPv6 schreibt Adressen in Hex, kennt keinen Broadcast mehr, Geräte konfigurieren sich oft selbst und NAT ist nicht mehr nötig. Es ist ein eigenes Protokoll – deshalb laufen beide parallel.
NAT ist keine Firewall. Schutz bringt die Firewall im Router, die unaufgeforderte Verbindungen von aussen blockiert – bei IPv4 und bei IPv6.
:: darf nur einmal vorkommen. Bei zwei Lücken wäre unklar, wie viele Null-Gruppen in jede gehören.
Private Adressen werden im Internet nicht weitergeleitet. Im Internet sieht man nur die öffentliche Adresse deines Routers.
09Mini-Quiz
7 echte Fragen aus IT Quiz – ohne Anmeldung, mit Erklärung.
?Häufige Fragen
Unter Windows mit «ipconfig» in der Eingabeaufforderung, unter macOS in den Netzwerk-Einstellungen und unter Linux mit «ip a». Das zeigt die Adresse im eigenen Netz. Die öffentliche Adresse, mit der du im Internet unterwegs bist, vergibt dein Provider.
Die Versionsnummer 5 war für ein experimentelles Protokoll (Internet Stream Protocol) vergeben, das sich nie durchgesetzt hat. Der Nachfolger von IPv4 bekam deshalb die Nummer 6.
Nein. Auf absehbare Zeit laufen beide Versionen parallel. Die meisten Netze arbeiten im Dual Stack: Geräte haben eine IPv4- und eine IPv6-Adresse und nutzen die Version, die gerade funktioniert.
In eckigen Klammern, zum Beispiel http://[2001:db8::1]:8080/. Sonst wäre nicht klar, welcher Doppelpunkt zur Adresse gehört und welcher den Port abtrennt.
Quellen: RFC 791 (IPv4) · RFC 8200 (IPv6) · RFC 4291 (IPv6-Adressarchitektur) · RFC 5952 (Schreibweise von IPv6-Adressen) · RFC 1918 (private IPv4-Adressen) · RIPE NCC: IPv4-Adresspool 2019 ausgeschöpft. Redaktion: IT Quiz, Stand September 2026. Fehler entdeckt? Schreib uns an hello@itquiz.ch.

